Rufen Sie uns an !!! Schreiben sie uns eine Mail !!! Folgen Sie uns auf Facebook !!! Folgen Sie uns auf Twitter !!! Folgen Sie uns auf Google+ !!! Folgen Sie uns auf YouTube !!!

Das passive Abseits: Ist es Fluch oder Segen?

Beitrag vom 26.04.2014 16:53 Uhr

Das passive Abseits: Ist es Fluch oder Segen?

Das Abseits im Fußball ist beinahe schon sprichwörtlich geworden, denn es gibt wohl keine andere Spielregel, die so komplex ist und für so viel Diskussionspotential sorgt. Für Schiedsrichter zählt das Abseits zu den schwierigsten Entscheidungen auf dem Platz, denn manchmal kann es um wenige Zentimeter gehen, wenn ein Abseits diskutiert wird. Hinzu kommen die verschiedenen Blickwinkel, die Spieler, Schiedsrichter und auch Fans haben. Nicht selten hat eine Abseits-Entscheidung die Gemüter im Stadion erhitzt und auch nach Spielende für heftige Diskussionen und Auseinandersetzungen gesorgt. Wofür aber ist die Abseitsregel tatsächlich gut und sorgt sie in einem Spiel eher für Verwirrung oder für klare Entscheidungen? Die Hintergründe der Abseitsregel können hier Aufschluss geben.

Abbildung 1: Die Abseits-Regel gehört zu den komplexesten im ganzen Fußball.

Sinn und Zweck der Abseitsregel

Ursprünglich wurde die Abseitsregel eingeführt, damit Abwehrspieler sich gezielt am Spiel beteiligen können, ohne ihren Gegenspieler dabei aktiv zu decken. So können auch Abwehrspieler mit dem Ball zum Tor gehen, ohne einen Regelverstoß zu begehen. Dies wiederum setzt allerdings die im Sturm eingesetzten Spieler unter Druck, denn in einem solchen Fall müssen sie sich zwangsläufig bis zur Mittellinie des Spielfeldes zurückziehen, um nicht in eine Abseitsposition zu geraten. Allein an dieser Beschreibung ist bereits zu erkennen, wie komplex die Abseitsregel ist und welche Konsequenzen sie für die Akteure auf dem Platz mit sich bringt. Die Unterscheidung zwischen aktivem und passivem Abseits macht die Sachlage nicht gerade eindeutiger, denn sie bringt einen weiteren, häufig nicht eindeutig zu definierenden, Aspekt in die Entscheidungsfindung mit ein. Offiziell ist die Begrifflichkeit des passiven Abseits inzwischen nicht mehr gebräuchlich. Unterschieden wird nur noch zwischen einem aktiven Abseits, das gepfiffen werden muss, und keinem Abseits. Dennoch sei der Begriff im Rahmen der folgenden Erklärungen der Einfachheit halber noch einmal aufgegriffen.

Das passive Abseits wurde eingeführt, nachdem die ursprüngliche Abseitsregel zunehmend genutzt wurde, um die aktiven Spieler im Sturm durch die eher passiven Abwehrspieler zu hemmen und damit auch den Spielfluss zu stören. Es kam zu vielen Spielunterbrechungen, die der Ahndung einer Abseitsposition geschuldet waren. Auch die Torkämpfe im Strafraum wurden durch den neuen Spielmechanismus eingeschränkt. Mit der Einführung des passiven Abseits sollte dieser Entwicklung aktiv entgegengewirkt werden. Doch zunächst noch einmal die Abseitsregel in aller Kürze:

Ein kleiner Exkurs zum Thema Abseits

Die Abseitsregel gibt immer wieder Anlass zum Kopfzerbrechen. Deshalb sei sie an dieser Stelle noch einmal kurz erläutert. Punkt 11 des Regelkataloges des Deutschen Fußballbundes (DFB) definiert das Abseits als die Position eines Spielers, der so nah an der Torlinie der gegnerischen Mannschaft steht, dass sich der Ball und der vorletzte Abwehrspieler der gegnerischen Mannschaft hinter ihm befinden. Dies trifft allerdings nur zu, wenn der angespielte Spieler vor dem Ball steht, wenn dieser ihm zugepasst wird. Wird eine Abseitsposition festgestellt, muss das Spiel unterbrochen werden und der Regelverstoß wird geahndet.

Abbildung 2: Die Entscheidung für oder gegen die Abseitsfahne ist für Schiedsrichter nicht immer leicht.

Ein Passives Abseits ist dann gegeben, wenn ein im Sturm eingesetzter Spieler, der aufgrund des Vorrückens der Abwehrspieler in einer Abseitsposition steht, nicht aktiv ins Spielgeschehen eingreift, indem er beispielsweise einen gegnerischen Spieler beeinflusst oder einen anderen Vorteil aus seiner Abseitsposition zieht. Seine Position selbst ist demnach also nicht regelkonform, doch er nutzt sie nicht, um das Spielgeschehen zu beeinflussen. Für diese Position gibt es nach den Bestimmungen der Fifa keine Abmahnung mehr und das laufende Spiel muss nicht unterbrochen werden. Es muss allerdings klar erkennbar sein, dass der Spieler nicht die Absicht hat, aus seiner Position heraus ins Spielgeschehen einzugreifen. Er muss also darauf verzichten, einen Gegenspieler zu behindern und gleichzeitig auch durch seine Körperhaltung deutlich machen, dass er in dieser Position nicht anspielbar ist. Diese Voraussetzungen lassen allerdings meist viel Spielraum für Interpretationen und machen eine eindeutige Entscheidung häufig schwer. Immerhin liegt es hier im Ermessen des Schiedsrichters, ob die Aktion eines im Abseits stehenden Spielers geplant war oder sich nur aufgrund der äußeren Umstände ergeben hat.

Die Regelungen zum Abseits, auf die der DFB zurückgreift, basieren dabei auf den Vorgaben des Weltfußballverbandes (FIFA).

Wie wird ein Abseits geahndet?

Grundsätzlich ist eine Abseitsposition ein Verstoß gegen geltende Fifa-Regeln. Ein aktives Abseits wird deshalb vom Schiedsrichter immer gepfiffen. Bei einem passiven Abseits sieht es anders aus. Ist klar, dass der Spieler in der Abseitsposition nicht in das Spielgeschehen eingreift, bleibt die Position unberücksichtigt. Ändert sich allerdings die Sachlage und der Spieler beteiligt sich doch noch am Spielgeschehen, während er sich in der regelwidrigen Position befindet, wird ein Abseits gepfiffen und es drohen dieselben Konsequenzen wie bei einem aktiven Abseits. Übrigens wird das passive Abseits ebenfalls zum passiven Abseits, wenn der betroffene Spieler sich zwar nicht aktiv in das Spielgeschehen einbringt, aber einen eindeutigen Vorteil aus seiner Abwehrposition zieht, weil ihm beispielsweise der Ball in dieser Position aus der Richtung des Tores vor die Füße fällt.

In der Regel unterbricht der Schiedsrichter bei einem Abseits das Spiel und gesteht der gegnerischen Mannschaft einen indirekten Freistoß zu. Um das Abseits aber gegen andere Regelwidrigkeiten wie zum Beispiel ein Foul abzugrenzen, erhält der verantwortliche Spieler keine Strafe wie zum Beispiel eine Verwarnung oder einen Platzverweis. Wurde der indirekte Freistoß ausgeführt, läuft das Spiel normal weiter und die durch das Abpfeifen verlorene Spielzeit wird in der Regel in der Nachspielzeit nachgeholt.

Abbildung 3: So manches Tor wurde durch die Abseitsregelung im Nachhinein für ungültig erklärt.

Das passive Abseits wird kontrovers diskutiert

Schon immer galt die Abseitsregel als die komplexeste im Fußball. Da die grundsätzlichen Fußballregeln eher einfach gehalten sind, ist es kaum verwunderlich, dass die Abseitsregel schon immer zu kontroversen Diskussionen führte, sowohl was ihren Sinn als auch auf ihr beruhende Schiedsrichterentscheidungen angeht. Insofern könnte man argumentieren, dass die zusätzliche Einführung des passiven Abseits die Fronten verhärtet und weiteren Diskussionsstoff geliefert hat. Viele Stimmen fordern inzwischen die vollständige Abschaffung des passiven Abseits.

Befürworter dieser erweiterten Regel verweisen Kritiker immer wieder gern auf die 80er Jahre, in denen der Fußball noch ohne das passive Abseits auskam. Mit der Abseitsregel hielt nämlich auch ein anderes Phänomen Einzug auf den Plätzen und in den Stadien: Die Abseitsfalle. Viele Mannschaften erkannten das taktische Potential der neuen Regel und verlagerten sich in ihrem Spiel darauf, die Spieler der gegnerischen Mannschaft gezielt zu einem Abseits zu provozieren beziehungsweise selbst die entsprechenden Voraussetzungen dafür zu schaffen. Insbesondere niederländische und belgische Mannschaften waren jahrelang für diese Spieltaktik bekannt. Die Abseitsfalle sorgte für unnötig viele Spielunterbrechungen und störte den Spielfluss empfindlich. Insbesondere im Hinblick auf Spieler, die sich zwar in einer Abseitsposition befanden, aber nicht aktiv ins Spielgeschehen eingriffen, erregte dies viel Unmut unter Spielern, Schiedsrichtern und Zuschauern. Mit der Einführung des passiven Abseits wurde diese Spieltaktik gezielt eingedämmt, denn die Möglichkeiten, eine Abseitsfalle zu stellen, wurden dadurch stark eingegrenzt. Das Spiel erhielt damit wieder mehr Dynamik und zahlreichere Torkämpfe und Torerfolge erfreuten Spieler und Zuschauer gleichermaßen.

Kritiker des passiven Abseits führen hingegen immer wieder ins Feld, dass die Regel zu unsicher und dadurch nicht ausreichend belastbar sei. Viele Entscheidungen auf dem Platz liegen im Ermessen und im subjektiven Blickwinkel des Schiedsrichters und das passive Abseits gehört mit Sicherheit dazu. Die interpretatorischen Freiheiten, die einem Schiedsrichter in diesem Fall obliegen, sehen viele Kritiker als den größten Mangel der Abseitsregel an. Grundsätzlich kann ein Schiedsrichter bei jeder seiner Entscheidungen auf einen gewissen Ermessensspielraum zurückgreifen, der ihm interpretatorische Freiheiten lässt. Dies gilt in besonderem Maße auch beim Pfeifen von Fouls oder Beleidigungen.

Neuregelung in Sachen passives Abseits

Als Reaktion auf die anhaltenden kontroversen Diskussionen im Hinblick auf das passive Abseits hat das International Football Association Board (IFAB) im vergangenen Jahr eine Änderung beschlossen, die mit dem 1. Juli 2013 in Kraft getreten ist. Danach werden die Regeln für das passive Abseits verschärft und Schiedsrichter müssen künftig wieder häufiger abpfeifen. Nach der Regeländerung ist ein passives Abseits nur noch dann gegeben, wenn klar erkennbar ist, dass sich ein Abwehrspieler im Aufbauspiel befindet und ihm im Zuge dessen ein Fehlpass unterläuft. Ist dies nicht der Fall, gilt die Abseitsposition als aktives Abseits und muss mit einem indirekten Freistoß geahndet werden. Gelangt ein Stürmer, der sich in der Nähe des gegnerischen Tores in einer Abseits-Position befindet, also durch eine kontrollierte Abwehraktion eines gegnerischen Spielers in Ballbesitz, gilt dies als Abseits und wird gepfiffen.

Abbildung 4: Die Regelung zum passiven Abseits wurde zur laufenden Saison noch einmal angepasst.

Damit wird die bisher genutzte Formulierung im Regelkatalog abgelöst, nach der ein Abseits nur gegeben war, wenn ein Spieler in Abseitsposition einen Gegner beeinflusste oder aus seiner Position einen anderweitigen Vorteil zog. Diese Regelanpassung soll Schiedsrichtern die Möglichkeit geben, leichter eine eindeutige Entscheidung zu treffen. Ob dieser Wunsch tatsächlich in Erfüllung geht, bleibt abzuwarten, denn kontroverse Diskussionen rund um das Thema Abseitsregel werden die Fußballwelt auch in Zukunft in Atem halten.

Im Grunde gilt für das passive Abseits dasselbe wie für jede andere Regelung im Sport allgemein und im Fußball im Speziellen: Es liegt in der Macht eines Schiedsrichters, sie konsequent und sinnvoll umzusetzen. Ist ein Schiedsrichter in der Lage, jede Situation objektiv und fachkundig zu beurteilen, kann auch eine so komplexe Regel wie das passive Abseits das Spiel bereichern. Fehlentscheidungen sorgen immer für Unmut auf mehreren Seiten und lassen Zweifel am Sinn einer Regelung aufkommen. Dies ist allerdings kein Phänomen, das sich speziell im Hinblick auf das passive Abseits feststellen lässt. Wie sinnvoll und spielfördernd diese Regelung ist, kann demnach nur die Praxis zeigen.

Quellen:

http://www.fr-online.de/fussball/passives-abseits-neue-abseits-regel-kommt,1474608,23473644.html

http://www.ubbo-voss-sr-lehrarbeit.de/passives-abseits-28einleitung.html

http://www.t-online.de/ratgeber/freizeit/sport-fitness/id_57054006/passives-abseits-was-ist-das-eigentlich-.html

Bildquelle:

Bild 1: © Coloures-Pic - Fotolia.com

Bild 2: © Gerhard Seybert - Fotolia.com

Bild 3: © Vitaly Krivosheev - Fotolia.com

Bild 4: © Pavel Ignatov - Fotolia.com

 
Informationen: