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Die Rolle des Torwarts – nicht mehr nur der Mann im Tor

Beitrag vom 31.07.2014 10:11 Uhr

Die Rolle des Torwarts – nicht mehr nur der Mann im Tor

Nicht erst seit Manuel Neuers Paraden in den Spielen der letzten Fußball-Weltmeisterschaft ist klar, dass die Leistung des Torhüters prägend für die gesamte Mannschaft und das Spiel sein kann. Bei entscheidenden Toren liegen Sieg und Niederlage immer auf einem schmalen Grat, aber einen guten Torwart macht nicht nur die Anzahl seiner gehaltenen Tore aus.

Abbildung 1: Ein guter Keeper hält seine Verteidigung zusammen.

Seit 1987 kürt die IFFHS, die International Federation of Football History & Statistics, den Welt-Torhüter. Bisheriger Spitzenreiter ist der italienische Torhüter Gianluigi Buffon, der neben Iker Casillas mit fünf Titeln, bisher vier Titel holen konnte und die Rangliste der Torhüter des Vierteljahrhunderts (1987-2011) und des 21. Jahrhunderts (2001-2012) anführt.

tabelle 1

Quelle: http://www.spox.com/de/sport/fussball/international/1301/News/gianluigi-buffon-bester-torhueter-der-letzten-25-jahren-oliver-kahn-jens-lehmann.html

Diese Rangliste ergibt sich aus einer Punktevergabe der Wahlen der letzten Welttorhüter der IFFHS. Als zweitbester Deutscher kommt Jens Lehmann auf Rang 21.

Amtierender Preisträger ist momentan Manuel Neuer, der die fünfjährige Siegesserie des Spaniers Iker Casillas damit beendete.

Als bisher einziger Torhüter überhaupt erhielt der spätere Jahrhunderttorhüter Lev Yashin 1963 den Ballon d'Or, die Auszeichnung zum Europäischen Fußballer des Jahres. Oliver Kahn ist bisher der einzige Torwart, der sich den Preis für den besten Spieler der WM sichern konnte, 2002 in Japan und Südkorea.

Doch ein Torhüter kann auch Kapitän der Mannschaft sein und vor allem den Spielaufbau bedeutend beeinflussen. Manche Torwarte besitzen eine Präsenz auf dem Feld, die bis in den gegnerischen Strafraum zu spüren ist, andere werfen sich vor allem in kritischen Phasen in Standardsituationen dazu oder nutzen mehr als nur den Platz innerhalb des Tores.

1. Eigenschaften guter Torhüter

Zu den wichtigsten Eigenschaften der weltbesten Keeper gehört ihre mentale Stärke. In Drucksituationen vor dem Tor entscheidet sich oft innerhalb weniger Momente, ob ein Tor fällt oder nicht und besonders die angemessene Reaktion der Torwarte kann zu den spektakulärsten Ereignissen eines Spiels gehören. Konzentration, Entscheidungsgeschwindigkeit, Beobachtungsgabe und Präsenz gehören zu den wichtigsten psychischen Anforderungen.

Abbildung 2: Mit mentalem Training verbessern viele Torhüter ihre Elfmeterquote.

Viele Vereine und Nationalmannschaften arbeiten ganz speziell mit Mental-Trainern, die den Torhütern wichtige Konzentrationsübungen für das Spiel mitgeben und an einem starken Selbstbewusstsein feilen. Dieses Selbstbewusstsein ist die Grundlage vieler Keeper, auch in kritischen Situationen einen klaren Kopf behalten zu können. Selbstmotivation und Anfeuerung sind beispielsweise oft bei wichtigen Spielen zu beobachten und können die Torhüter in ihrer Leistung deutlich beeinflussen.

Neben der mentalen Stärke gehören die körperliche Fitness und Technik unbedingt zu den Eigenschaften dazu. Viele Torhüter sind im Schnitt 1,88 Meter groß und besitzen dementsprechend eine große Körperspanne. Diese gilt es allerdings auch zu nutzen und so lassen sich Übungen zu

  • Sprungkraft
  • Schnellkraft
  • Beweglichkeit
  • Kraft
  • Gewandtheit
  • Flexibilität

in vielen Torwart-Trainingseinheiten finden. Viele Paraden der letzten Jahre wären ohne ein gezieltes Training kaum möglich gewesen. Eine gute Koordination ist ebenso wichtig, denn auch nach akrobatischen Flugeinlagen muss der Keeper wieder mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen und die nächste Aktion abwehren oder vollziehen können. Gleichgewichtssinn, Reaktionsschnelligkeit und Orientierung sind wichtige Eigenschaften, ohne die ein guter Keeper kaum auskommt. Nur wenige Topspieler schaffen es, nach einer ersten Parade auch noch eine zweite Glanzleistung abzuliefern.

Trotzdem ist in den letzten Jahren vor allem die Taktik für einen guten Keeper entscheidend.

2. Veränderung der Regeln für Torhüter

Seit 1903 dürfen Torwarte den Ball nur noch im eigenen Strafraum in die Hände nehmen, seit 1967 nur vier Schritte mit dem Ball unternehmen. Diese Regel wandelt sich 2000 zu einer Sechs-Sekunden-Regel um. Seit 1992 nehmen Torhüter einen Rückpass nicht mehr mit den Händen an.

Eine wichtige Neuregelung war 2005 die Erlaubnis für die Keeper, sich bei einem Strafstoß wieder auf der Linie bewegen zu dürfen.

Mit der Änderung der FIFA-Regeln 2013 erhalten auch Torwarte die Rote Karte, wenn sie mit einem Foul an einem Spieler eine klare Torchance verhindern.

Abbildung 3: Bei brenzligen Situationen muss der Torwart immer präsent sein.

Besonders die Rückpassregel änderte vieles am Spiel des Torwartes. Ein guter Torhüter muss auch als Feldspieler eine gute Partie machen können, das bedeutet, er muss weite, präzise Abschüsse liefern, koordinierte Pässe abgeben und zur Not einen Ball auch mit den Füßen stoppen können.

Bestes Beispiel ist Manuel Neuers Einsatz im Achtelfinale gegen Algerien bei der WM 2014. Da für den Torwart ein Schuss innerhalb seines Strafraumes immer brenzlig sein kann und die deutsche Abwehr bei den entscheidenden Situationen zu langsam reagierte, setzte Manuel Neuer alles daran, den Ball bereits vor dem Torraum zu stoppen.

Auf so einem hohen Niveau ist ein Dauereinsatz auch für einen Ausnahmetorhüter nicht über 90 Minuten haltbar, aber es setzt Zeichen und gibt der Verteidigung die nötigen Motivationsschübe oder Aufwach-Aktionen. Hier zeigt sich auch wieder die mentale Stärke der Torhüter, die selbstbewusst außerhalb ihres Kastens den Gegner verunsichern und dessen Spielaufbau zerstören können.

Als letzter Mann vor dem Tor besitzt der Torwart vor allem den Überblick über das Spielfeld. Wenn die gegnerische Mannschaft sich gerade nicht im Angriff befindet, kann der Torhüter das Spiel überschauen und gegebenenfalls Änderungen in Manndeckung oder freie Räume erkennen und Anweisungen geben.

3. Torwartlegenden

3.1 Lev Yashin

Vielen Fußballfans und Zuschauern stehen die aktuellen Torhüter der Weltmeisterschaft noch deutlich vor Augen. Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich viele Keeper ins Gedächtnis gebrannt, doch der Mann, der das Spiel des Torwarts nachhaltig veränderte, war Lev Ivanowitsch Yashin.

Der russische Spieler bekam in der Weltmeisterschaft 1958 den Spitznamen „Schwarze Spinne“ zugewiesen, da er immer ein schwarzes Trikot trug und seine Fähigkeit, Bälle zu halten, die Welt in Erstaunen brachte. Reaktionsschnelligkeit und Beweglichkeit waren sein Aushängeschild und so soll er bis zum Ende seiner Karriere 150 Elfmeter gehalten haben. Bis zu dem Zeitpunkt wurden Torhüter als letzte Männer im Tor gesehen, die ihren Bereich sauber zu halten hatten. Yashin gab den Torhütern eine zusätzliche Präsenz, die ein ganzes Spiel beeinflussen konnte. Wichtig war außerdem, dass er das Spiel lesen und die Spielstärken und -schwächen der Gegner erkennen konnte. Er gab seiner Verteidigung wichtige Anweisungen, die dabei halfen, die UdSSR zu ihren größten Erfolgen der damaligen Zeit zu führen.

3.2 Gianluigi Buffon

Trotz des Aus für Italien in der Gruppenphase zeigte sich auch bei der WM 2014, dass Gianluigi Buffon zu Recht die Weltrangliste der besten Torhüter anführt. Buffon steht seit 1998 im Dienst der italienischen Nationalmannschaft und spielte 2014 mit 36 Jahren bei seiner fünften Weltmeisterschaft mit. 2003, 2004, 2006 und 2007 wurde er Welttorhüter und hält seit über 13 Jahren seinen Stammplatz bei Juventus Turin. Bei Juventus bestritt er bisher 641 und mit der Nationalmannschaft 142 Spiele.

Abbildung 4: Gianluigi Buffon ist bereits jetzt eine Legende in Italien.

tabelle 2

Quelle: http://de.fifa.com/worldfootball/statisticsandrecords/players/player=159304/

In der Gruppenphase der Weltmeisterschaft 2014 scheiterte Italien zuletzt an Uruguay. Dies lag jedoch nicht am Keeper, denn Buffon verhinderte in zahlreichen Paraden eine weitaus höhere Niederlage. Besonders eine schnelle Reaktionszeit und gute Spielübersicht zählen zu den Stärken des Italieners, weshalb er seit einigen Jahren die Kapitänsbinde trägt. Viele Spieler sehen in ihm den Ruhepol der Mannschaft, der fast immer die Nerven behält, wenn es darauf ankommt.

Das Ausscheiden der italienischen Mannschaft ist nicht auf seine Leistung im Tor zurückzuführen, aber Buffon übernimmt in vielen Diskussionen die Verantwortung und bewahrt zumindest im Fußball eine Bodenständigkeit, für die er in Italien sehr geschätzt ist. Er gilt als das Rückgrat der Mannschaft, steht aber auch noch für ein Torwartspiel der alten Schule.

3.3 Iker Casillas

Spaniens Demontage in der Weltmeisterschaft 2014 ist vielen noch deutlich in Erinnerung. Wie Italien schied der Weltmeister von 2010 glanzlos in der Vorrunde aus dem Turnier aus. Seinen Platz als einer der weltbesten Torhüter darf Casillas aber behalten, denn der Spanier besitzt außergewöhnliche Reflexe bei einer für Torhüter relativ kleinen Größe von 1,85 Metern.

Abbildung 5: Iker Casillas ist mit 33 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

tabelle 3

Quelle: http://de.fifa.com/worldfootball/statisticsandrecords/players/player=176644/index.html

Insgesamt spielte Casillas seit 2000 in 156 Partien für die spanische Nationalmannschaft und hat 677 Einsätze für Real Madrid aufzuweisen. Mit der spanischen Nationalmannschaft holte er 2010 den Weltmeister-Titel, nach furiosen Jahren der Dominanz eines neuen spanischen Fußballs. Die Presse und Fans nennen ihn San Iker, den Heiligen und viele bescheinigen ihm katzenartige Bewegungen auf der Torlinie. Wie Buffon steht auch Casillas für Ruhe und Bodenständigkeit in der Mannschaft und führt die Mannschaft als Kapitän auf dem Feld.

4. Zukunft der Torhüter

Nicht nur Manuel Neuer hat gezeigt, was die neue Präsenz der Torhüter leisten kann. Viele Torwarte sind im Laufe ihrer Karriere als Kapitäne auf dem Platz und dieser Vertrauensbeweis der Trainer kommt nicht ohne Grund. Torhüter können den Überblick behalten und trotzdem blitzschnell reagieren. Viele Keeper sind die stärkende Seele der Mannschaft, die Rückhalt geben und wenn es sein muss vorne für Druck sorgen können. Deshalb werden in Zukunft viele Torhüter einen noch größeren Raum im Spielaufbau erhalten und von dort die Gegenangriffe der Mannschaft starten. Ein guter Keeper nutzt seine Position für den entscheidenden Pass zu dem Spieler, der den eigenen Angriff dann entsprechend voran bringen kann. Dass die Veränderungen längst begonnen haben, zeigen die Leistungen der Torwarte bei der Fußball-WM 2014.

Bildquellen:

Abbildung 1: Wikimedia.commons.org © Marcello Casal Jr/Agência Brasil (CC BY 3.0 BR)
Abbildung 2: Wikimedia.commons.org © Werner100359 (CC BY 3.0)
Abbildung 3: Wikimedia.commons.org © Nick Wiebe (CC BY-SA 3.0)
Abbildung 4: Wikimedia.commons.org © Paulbank (CC BY-SA 3.0)
Abbildung 5: Wikimedia.commons.org © Clément Bucco-Lechat (CC BY-SA 3.0)

 
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