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EM 2020 - Turnier in ganz Europa

Beitrag vom 11.12.2014 12:14 Uhr

Zum 60-jährigen Jubiläum soll die Europameisterschaft mit dem Motto „EURO for Europe“ wirklich ganz im Zeichen von Europa stehen; das hatte das Exekutivkomitee der UEFA im Januar 2012 bei seiner Sitzung in Lausanne entschieden. Erstmals erstreckt sich das Ereignis auf 13 verschiedene Austragungsorte quer durch ganz Europa.

Sorgt die europaweite Ausrichtung er EM für Feierstimmung in ganz Europa?

Am 25. Januar 2013 wurden die Bewerbungskriterien festgelegt. Jeder der 53 Nationalverbände konnte maximal zwei Bewerbungen einreichen; einmal für drei Gruppenspiele und ein Achtel- oder Viertelfinale und einmal für Halbfinale und Endspiel. Für beide Bewerbungen konnte ein Verband dieselbe Stadt vorschlagen oder aber zwei verschiedene.

Zusätzlich sollen alle Mannschaften am Qualifikationswettbewerb teilnehmen, die Mannschaften der Austragungsländer sind also nicht wie bisher automatisch für die Endrunde qualifiziert. Jeder qualifizierte Ausrichter darf in der Gruppenphase zwei Heimspiele bestreiten; dies gilt allerdings nicht in der K.O.-Phase. Maximal zwei Ausrichterverbände dürfen in der Gruppe pro Endrunde vertreten sein.

Die Anforderungen an die 13 benötigten Stadien unterschieden sich je nach Spiel. Für Halbfinale und Endspiel sollte das Stadion mindestens 70.000 Besucher fassen, für drei Gruppenspiele mit Viertelfinale waren 60.000 gefordert und für drei Gruppenspiele mit Achtelfinale sollten 50.000 Plätze zur Verfügung stehen. Allerdings waren bis zu zwei Ausnahmen möglich für Stadien mit 30.000 Plätzen für Gruppenspiele und Achtelfinale. Auch geplante und noch nicht fertigstellte Stadien waren im Bewerbungsverfahren zulässig, sofern die Bauarbeiten spätestens 2016 beginnen. Ist das nicht der Fall, sollte das Spiel nachträglich anderweitig vergeben werden können. So sollten möglichst viele Verbände eine Chance für die Bewerbung bekommen.

Am 19. September diesen Jahres schließlich gab die UEFA die jeweiligen Austragungsorte bekannt. Insgesamt 32 Verbände hatten offiziell ihr Interesse bekundet, 19 haben eine Bewerbung eingereicht. 13 Verbände, darunter die Türkei, Polen und Griechenland, haben ihre Bewerbung zurückgezogen.

Für drei Gruppenspiele und ein Achtelfinale wurden gewählt:

Drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale finden statt in:

Das Finale schließlich wird im Wembley-Stadion in London stattfinden. Um als Austragungsland für die EM 2024 in Frage zu kommen, hat Deutschland ganz bewusst auf eine Bewerbung um die Austragung des Finales verzichtet. Doch vor 2017 wird die UEFA keine Entscheidung darüber treffen. Zuletzt war Deutschland 1988 Gastgeber der Europameisterschaft.

Die Reaktionen auf eine EM mit 13 Austragungsorten sind nach wie vor gespalten.

Chancen für Europa

Viele lobten die Idee von Michel Platini, Präsident des Europäischen Fußballverbandes, als reizvolles Unterfangen. Insbesondere nach der Welle der Empörung, die nach der Verkündung Katars als Austragungsort für die WM 2022 laut geworden war, wirft die Idee der europaweiten EM ein vielfach positives Echo zurück.

Der große Vorteil für die einzelnen Länder ist natürlich in erster Linie die Chance an der Beteiligung der EM. Darüber hinaus werden bereits vorhandene Infrastrukturen und Stadien genutzt, was wirtschaftlich und logistisch sinnvoll ist. So können viele Teilnehmer von dem Großereignis und seinen wirtschaftlichen Vorteilen profitieren.

Für die UEFA stellt dieses Prozedere eine enorme Entlastung dar, speziell nach der Katar-Entscheidung, denn so müssen die verschiedenen Länder nicht unter den unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet und miteinander verglichen werden, wie vorhandenen Autobahnen, Ressourcen oder Stadien in Metropolen. Da nicht extra für die EM ein Großaufgebot an Hotels und Infrastruktur neu gebaut werden muss, sind auch keine Streitigkeiten um die verschiedenen Konzepte, ihre Machbarkeit und ökologische Nachhaltigkeit miteinander abzuwiegen. Da die Ressourcen bereits vorhanden sind, muss nicht mit Plänen und großen Bauvorhaben kalkuliert werden, sondern lediglich mit harten Fakten.

Für die jeweiligen Länder ergibt sich ebenfalls der Vorteil, dass sich der finanzielle Aufwand für die Ausrichtung solcher Großveranstaltungen in Grenzen hält. Länder wie Polen oder die Ukraine haben ihre finanziellen Mittel über Jahre hinweg ausreizen müssen, um ein Projekt dieser Größenordnung stemmen zu können. Die Verteilung der EM auf unterschiedliche Standorte ermöglicht auch eine Verteilung der Kosten auf verschiedene Veranstalter, was einzelne Länder entlastet und so auch Ländern mit kleinerem Staatshaushalt die Möglichkeit gibt, an einem solchen Event teilzunehmen.

Was als Entwicklungshilfe gilt, ist für viele Länder oft nur schwer zu stemmen. Zuletzt protestierten viele Brasilianer wegen der Ausrichtung der WM in ihrem Land. Die Bürger sahen hier immense Geldsummen für ein sportliches Großereignis fließen, obgleich es an Mitteln für Bildung und Gesundheitsvorsorge mangelt. Für den Bau der Stadien wurden Menschen zwangsumgesiedelt und entrechtet, einige Arbeiter sind wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen beim Bau zu Tode gekommen. Bis zuletzt war es außerdem zu Verzögerungen im Bauvorhaben gekommen.

Viele der einstmals ausschließlich für die EM errichteten Gebäude sind heute verwaist und verursachen weiterhin Kosten, vom Faktor der Nachhaltigkeit einmal ganz abgesehen.

Auch für die Fans hat dieses Unterfangen Vorteile. Aufgrund der Verteilung quer durch Europa haben viele die Chance, ein Spiel unweit von oder sogar in der Heimat zu sehen. Die Reisekosten zu den einzelnen Spielen halten sich so in Grenzen und ermöglichen je nach Standort auch kürzere Anreisewege für einzelne Fans.

Natürlich ist eine europaweite Verteilung des Turniers auch eine generelle Möglichkeit, den Fußball an sich zu expandieren und den europäischen Gedanken zu stärken. Die gemeinsame Ausrichtung der EM schweißt zusammen und baut Kontaktschwierigkeiten ab. Auch wenn die Ausweitung der Teilnehmer von 16 auf 24 Länder nicht nur auf Zustimmung traf, so ist unbestreitbar, dass dieser Schritt insbesondere in Verbindung mit den verteilten Ausrichtungsorten dem Fußball eine breitere Basis bietet und mehr Platz für die Involvierung auch kleiner Länder ermöglicht.

Kritische Stimmen

Bereits unmittelbar nachdem Platini seine Idee der europaweiten Austragung geäußert hatte, wurden auch kritische Stimmen laut.

Kritiker befürchten einen Dämpfer für die Atmosphäre.

Eine Befürchtung ist, dass eine Austragung in verschiedenen Städten die Atmosphäre der Veranstaltung ruinieren wird. Kritiker sehen die Identität des Turniers als solches gefährdet durch eine derart radikale Änderung im Ablauf. Sie befürchten, dass weitere Aspekte folgen werden.

Zudem wird das mediale Interesse abflachen, denn der Reiz einer solchen Großveranstaltung wird dadurch gedämpft, dass Fangruppen, Veranstalter und Beteiligte sich entzerren. Normalerweise bestand die Abwechslung auch in der geographischen Hinsicht; viele Spiele, Mannschaften und Fans geballt in einem einzigen Land. Das hat natürlich mediale Strahlkraft und schafft große Bilder. Auch die Erinnerung an eine solche Veranstaltung ist bei der Verteilung nicht mehr an einen Ort und ein Stadion gebunden. Kritiker fürchten um das Feeling einer Großveranstaltung und ahnen ein Image wie bei der Champions League. Da bereits bestehende Stadien und Gebäude genutzt werden, haben einzelne Länder keine Chance, sich für die EM besonders zu profilieren und ins Bild zu setzen. Städte und Stadien, die ohnehin Spitzenfußball gewohnt sind, haben hier den großen Vorteil.

Die EM steht ohne Gastgeberland auch nicht mehr im Zeichen eines einzigen Landes, womit das typische Flair des Gastgebers verloren geht.

Was für die UEFA praktisch ist, nämlich dass das Auswahlverfahren weit weniger aufwändig wird, verhindert auf der anderen Seite konstruktiven Umgang mit Korruptionsvorwürfen und Missständen beispielsweise im Hinblick auf Arbeitsbedingungen.

Die Allianz-Arena wird 2020 zu den Austragungsorten gehören.

Die EM in einem anderen Land als der Heimat bot auch Möglichkeit zur Reise und um etwas Neues zu entdecken, während nun der Reiz durch die Vielfalt der Angebote verringert ist. Zudem kommt erschwerend hinzu, dass Fans, die mehrere Spiele live erleben und ihren Favoriten begleiten wollen, nun auch mehrere Länder besuchen müssen, was die Reisekosten deutlich in die Höhe treibt und wahrscheinlich auch einige davon abhält, die Reise überhaupt erst anzutreten.

Auch für die teilnehmenden Verbände ist hier ein großer Kostenfaktor zu erwarten und insbesondere ein enormer logistischer Aufwand. Spieler, Trainer und Personal müssen für jedes Spiel in ein anderes Land fahren, beziehungsweise fliegen. Hinzu kommt die Ausweitung auf 24 Länder, sodass nicht nur mehr Mannschaften unterwegs sind, sondern auch mehr Austragungsorte angesteuert werden müssen. Das ist anstrengend für alle Beteiligten und wirkt sich im schlimmsten Fall auf die Leistungsfähigkeit der Spieler aus.

Fazit

Auch wenn die Kritik nicht von der Hand zu weisen ist, überwiegen zumindest auf dem Papier die positiven Aspekte einer europaweiten EM-Ausrichtung. Das mediale Großereignis wird zwar entzerrt und darunter wird sicherlich auch die allgemeine Atmosphäre leiden, aber auf der anderen Seite sind insbesondere die Kostenersparnisse nicht zu verachten. In Zeiten knapper Haushalte macht es Sinn, bereits vorhandene Ressourcen zu nutzen. Es müssen nicht für ein einziges Großevent Infrastruktur ausgebaut und neue Gebäude errichtet werden, was den Etat der Länder entlastet und deutlich ökologischer ist, als die neuen Bauten anschließend verwaisen und verfallen zu lassen oder für viel Geld instand halten zu müssen. Für Fans hat das ganze Vor- und Nachteile gleichermaßen. Für diejenigen mit einer knappen Reisekasse bieten sich Austragungen vor Ort an und aufgrund der Verteilung sind die Chancen hoch, zumindest einen der Austragungsorte gut zu erreichen. Doch wer sein Team über mehrere Runden hinweg begleiten möchte, muss nun deutlich mehr reisen und investieren.

Für den europäischen Grundgedanken ist eine EM unter dem Motto „EURO for Europe“ sicherlich förderlich. Anstelle eines einzigen Gastgeberlandes sind viele Länder an der Ausrichtung beteiligt. So expandiert der Fußball und schafft Gemeinsamkeiten über Ländergrenzen hinweg.

Bildquellen:

1) commons.wikimedia © JohnnyB ( CC BY-SA 3.0)
2) commons.wikimedia © Steindy ( CC BY-SA 1.0)
3) commons.wikimedia © Steindy ( CC BY-SA 1.0)
4) commons.wikimedia © Richard Bartz ( CC BY-SA 2.5)

 
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