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Wirtschaftsfaktor Fußball - mehr als nur ein Spiel

Beitrag vom 26.03.2015 15:21 Uhr

Fußball ist mehr als nur ein Spiel – diese Erkenntnis ist in vielerlei Hinsicht wahr, denn die beliebteste Sportart in Deutschland ist unter anderem auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Die Bundesliga boomt. Diese Aussage lässt sich nicht nur anhand der Bilder von Fans, die Woche für Woche die Spiele ihres Lieblingsvereins im Stadion verfolgen, sondern auch durch wirtschaftliche Kennzahlen belegen. In einer Saison der ersten Fußball-Bundesliga werden 306 Spiele absolviert, im Schnitt gehen 40.000 Zuschauer pro Spiel ins Stadion, hinzukommen Millionen Menschen, die über Fernsehen, Rundfunk oder übers Internet die Spiele verfolgen.

Sie erwarten sportliche Höchstleistungen, die dauerhaft nicht ohne finanzielle Mittel sowie eine solide wirtschaftliche Basis möglich sind. Diese Aussage gilt grundsätzlich für alle Sportarten im professionellen Bereich. Fußball ist nicht nur die sprichwörtlich schönste Nebensache der Welt, sondern auch ein gewaltiges wirtschaftliches Geschäft. Von den 18 Vereinen in der 1. Bundesliga haben lediglich fünf Clubs die Rechtsform eingetragener Verein. Die übrigen 13 Vereine haben ihre Profibereiche ausgegliedert: Sechs Vereine werden als Gemeinschaft mit beschränkter Haftung & Kommanditgesellschaft auf Aktien (GmbH & Co. KGaA) geführt, vier haben als Unternehmensform die GmbH gewählt und bei drei Vereinen handelt es sich um Aktiengesellschaften (AG).

Der Staat und die Städte profitieren mehrheitlich von den wirtschaftlich gut aufgestellten Vereinen in Form von Steuern und Abgaben. Des Weiteren werden durch die Vereine Arbeitsplätze geschaffen und die Städte profitieren mehrheitlich von Werbe- und Marketingeffekten. Gerät ein Verein in finanzielle Schwierigkeiten kann dies auch zu finanziellen Belastungen für die jeweilige Stadt führen, wie anhand des Beispiels des 1. FC Kaiserslautern unter Gliederungspunkt 2.3. skizziert wird.

Laolawelle

Fußball erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

1. Fußball als Wirtschaftsfaktor

1.1. Zahlen und Fakten zur Entwicklung der Einnahmen

Wie die unten stehende Statistik belegt, konnten die 36 Vereine in der 1. und 2. Bundesliga ihren Erlös durch den Spielbetrieb innerhalb von vier Jahren um 100 Millionen Euro steigern. In der Saison 2010/11 wurden 469,51 Millionen Euro erwirtschaftet, in der Saison 2013/14 stieg diese Summe auf 569,75 Millionen Euro.

Erlös des deutschen Lizenzfußballs (1. und 2. Bundesliga) durch den Spielbetrieb von der Saison 2010/11 bis 2013/14 (in Millionen Euro),
Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/77084/umfrage/spielbetrieb-im-deutschen-lizenzfussball--erloes/

Die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung des professionellen Fußballs in Deutschland lässt sich anhand des nachfolgenden Diagramms noch besser aufzeigen. In der unten abgebildeten Statistik werden die Gesamterlöse der 1. und 2. Fußball-Bundesliga von der Saison 2004/05 bis zur Saison 2013/14 dargelegt. Die 36 Proficlubs konnten ihre Gesamterträge von der Saison 2004/05 (ca. 1,5 Milliarden Euro) bis zur Saison 2010/11 mit etwa 2,3 Milliarden Euro innerhalb von sieben Jahren um etwa 50 Prozent steigern. Dabei ist festzuhalten, dass die 1. Bundesliga den weitaus größeren Anteil am Gesamterlös erwirtschaftet und über den gesamten Zeitraum stärker gewachsen ist als die 2. Bundesliga. Doch auch die Vereine der zweiten Liga konnten ihre Einnahmen innerhalb von zehn Jahren von 235 Millionen Euro in der Saison 2004/05 auf 458 Millionen Euro in der Saison 2013/14 erhöhen.

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Der professionelle Fußball ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden.

Entwicklung der Erlöse in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga von der Saison 2004/05 bis 2013/2014 (in Millionen Euro),
Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/4867/umfrage/entwicklung-der-erloese-in-der-ersten-und-zweiten-fussballbundesliga/

Die Anteile der verschiedenen Einnahmequellen unterstreichen, dass der Profifußball in Deutschland auf einem soliden Fundament steht. Zentrale Einnahmequellen bilden die Erlöse aus den Spielen, d.h. aus dem Ticketverkauf und den Umsätzen aus der Bewirtung in den Stadien, Werbung sowie Vermarktung der Medienrechte. Diese drei Posten sind zusammen für drei Viertel der Einnahmen verantwortlich.

Einnahme-Mix, Anteile am Erlös aus der Saison 2013/14 der 1. Fußball-Bundesliga,
Quelle: http://www.bundesliga.de/media/native/dokument/dt_DFL_BL_Report_2015_72dpi.pdf

1.2. Die Ausgaben der Vereine

Den Einnahmen stehen naturgemäß auch Ausgaben gegenüber. Die Aufwendungen für die Gehälter der Angestellten der 36 Clubs der ersten und zweiten Bundesliga stiegen in der Saison 2013/2014 um ca. 7,7 Prozent gegenüber der Vorsaison auf insgesamt 1,25 Milliarden Euro und kletterten somit auf den bisher höchsten Wert in allen Spielzeiten. In Relation zu den Einnahmen bedeutet diese Zahl, dass durchschnittlich etwa 43 Prozent des eingenommenen Geldes für Personalkosten aufgewendet werden. Hinsichtlich der Personalkosten in der Saison 2013/2014 entfallen etwa 84 Prozent auf Gehälter für Spieler, Trainer und den Betreuerstab. Die Kosten für Verwaltung und für den Bereich Handel belaufen sich auf 16 Prozent an den Gesamtkosten. Im Vergleich zwischen erster und zweiter Bundesliga verbuchen die Vereine der ersten Bundesliga rund 85 % der Personalkosten.

1.3. Die Gewinne der Vereine

Die Vereine der 1. und 2. Bundesliga haben in der Saison 2013/2014 einen realen Gewinn, d.h. nach Abzug von Steuern, in Höhe von 34,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Nach Angaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) verzeichneten die Vereine zum vierten Mal in Folge mehr Einnahmen als Ausgaben, der Gesamtgewinn in den letzten vier Jahren beläuft sich insgesamt auf etwa 150 Millionen Euro.

2. Symbiose zwischen Fußballvereinen und Städten

2.1. Steuern und Abgaben des Lizenzfußballs

Nicht nur die Vereine und die Fernsehsender profitieren von der seit Jahren hohen Begeisterung für den Fußballsport. Auch die Städte und der Staat insgesamt generieren durch Steuern und Abgaben sowie durch die Konsumausgaben der Fans zusätzliche Einnahmen. In der Saison 2013/2014 haben die Vereine der ersten und zweiten Bundesliga laut DFL zusammen knapp 875,2 Millionen Euro an Steuern und Abgaben an den Staat sowie an die Sozialversicherung (Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung) und die Gesetzliche Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft) entrichtet. Von der Gesamtsumme entfielen etwa 735,4 Millionen Euro auf die 1. Bundesliga, auf die 2. Bundesliga etwa 139,7 Millionen Euro. Für Lohn- und Kirchensteuer, den Solidaritätszuschlag sowie für den Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungen der Mitarbeiter wurden insgesamt 617,9 Millionen Euro abgeführt. Dies sind 100 Millionen Euro Mehrabgaben als vor vier Jahren. Aufgeschlüsselt nach den einzelnen Posten ist die von den Vereinen abgeführte Lohnsteuer die größte Einnahmequelle für den Fiskus. Etwas mehr als 473 Millionen Euro fielen in der Saison 2013/2014 an Lohnsteuer an. Den zweitgrößten Posten stellt die Umsatzsteuer dar, der Staat erhielt hier abzüglich der erstatteten Vorsteuer - hierbei handelt es sich um einen Parameter für die Investitionsbereitschaft eines Unternehmens – im letzten Jahr rund 215 Millionen Euro.

Des Weiteren führten die 36 Vereine etwa 16 Millionen Euro an Körperschaftssteuer und rund 17 Millionen Euro an Gewerbesteuern ab. Letztere bildet für die Städte eine wichtige Einnahmequelle. Neben den Steuern und Abgaben profitieren die Städte zudem von den Konsumausgaben der Fußballanhänger. Einige Fußballanhänger verbinden Auswärtsspiele auch mit einer kurzen Städtereise. Nach Abzug aller Ausgaben, beispielsweise für die Bereitstellung von zusätzlichen Ordnungs- und Sicherheitskräften oder das Einsetzen von zusätzlichen öffentlichen Verkehrsmitteln, realisieren die Städte im Regelfall einen Gewinn aus den Spielen der Bundesliga.

2.2. Beschäftigungseffekte durch den Lizenzfußball

Rund um den Lizenzfußball waren in der Saison insgesamt 48.830 Menschen beschäftigt, eine Steigerung um 8 Prozent bzw. in konkreten Zahlen: 3.616 Jobs mehr. Die Vereine und ihre Tochtergesellschaften beschäftigten 17.228 Personen, davon waren 5.224 als Vollzeitangestellte tätig, bei den restlichen Mitarbeitern handelt es sich um Auszubildende, Teilzeit- oder Aushilfskräfte. Bei den Vereinen waren mehr Personen als Aushilfskräfte (6.949) als Vollzeitangestellte (4.438) tätig, bei den Tochtergesellschaften ist dieser Unterschied deutlich größer. Hier stehen 786 Vollzeitbeschäftigte 3.000 Aushilfskräften gegenüber. Etwa 31.600 arbeiteten für Dienstleister, die von den Clubs beauftragt werden, der Großteil davon im Bereich Catering (13.282 Angestellte) sowie für Sicherheits- und Wachdienste (12.604 Beschäftigte). Im Sanitätsdienst waren 1.764 Personen tätig. Bei den Dienstleistern konnte ein Anstieg der Beschäftigung um 6,5 Prozent verzeichnet werden.

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Fußballstadien sind zu touristischen Attraktionen geworden.

2.3. Geben und Nehmen zwischen Vereinen und Städten

Ein Profifußballverein kann für die jeweilige Stadt ein Aushängeschild sein, in einigen Fällen ist ein Stadion eine Besuchsattraktion, beispielsweise das Olympia-Stadion in Berlin oder die Allianz-Arena in München. Generell bieten alle Bundesligavereine Stadionführungen an.

Die Städte revanchieren sich für die Steuermehreinnahmen durch die Vereine sowie durch die häufig positiven Werbe- und Marketingeffekte in einigen Fällen durch ein Entgegenkommen bei finanziellen Angelegenheiten. Beispiel: Die Stadt Kaiserslautern hat Mitte der 2000er-Jahre das Stadion des damals vom Bankrott bedrohten Fußballclubs übernommen, musste dafür selbst einen Kredit aufnehmen. Hierfür wurde eine Stadion-Gesellschaft gegründet, die später selbst in finanzielle Nöte geriet. Die Stadt und somit auch die Steuerzahler mussten einspringen, sie beteiligen sich noch immer beim Abbau der Schulden. Der Beitrag des Vereins zur Tilgung des Kredites ist bescheiden, durch die Mietzahlungen können die Zinsen gerade so beglichen werden.

3. Fazit

Die dargestellten wirtschaftlichen Kennzahlen verdeutlichen, dass sich die 36 Clubs aus der ersten und zweiten Bundesliga in den letzten Jahren in finanzieller Hinsicht (Gewinnerwirtschaftung) positiv entwickelt haben. Von dieser positiven Entwicklung profitieren nicht nur die Vereine, sondern auch die Städte und der Fiskus beispielsweise durch höhere Steuer- und Abgabeneinnahmen.

In Umfragen geht der Großteil der Proficlubs davon aus, dass der Anteil von Fremdkapital oder der Einfluss von Investoren in den nächsten Jahren steigen wird. Dies ist aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten grundsätzlich zu begrüßen, die Auswirkungen auf die Vereinskultur und den Fußball an sich stehen indes auf einem anderen Blatt.

Bildquellen:

Abbildung 1: commons.wikimedia.org © Florian K ( CC BY-SA 3.0 )
Abbildung 2: commons.wikimedia.org © Acdx ( CC BY-SA 3.0 )
Abbildung 3: commons.wikimedia.org © Pahu ( CC BY-SA 3.0 )

 
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